Freitag, 2. Oktober 2026

Risse.

Jahre, fast schon Jahrzehnte sind vergangen. Meine Vergangenheit gut zugedeckt einem Schraubglas fest verschlossen. Spätestens seit meinem Mental-Breakdown in Portugal im Juni dachte ich, es ist gut. Meine Vergangenheit gehört zu mir, wie jede Narbe die meinen Körper ziert. Mit Menschen, die sich um mich Sorgen, habe ich nicht gerechnet. Doch zurück auf Anfang.

Irgendwann kommt der Moment, an dem man bei Krankheitsbildern, besonders wenn diese hauptsächlich das Körperliche betreffen und man nicht mehr weiterkommt in der Therapie, sich einen Coach diesbzgl. sucht. In meinem Fall, eine Coaching. Ich kenne sie schon länger, eine enge Vertraute. Die einfach nur, Blutwerte anforderte. Welche dann jedoch so "schlecht" ausfielen, dass ich mich zuerst mit meiner neuen Hausärztin darüber austauschen musste und auch wollte. Sie kennt mich schon lange, viele Jahre, doch nie als meine Hausärztin. Ich nannte meine Medikamente, Vorerkrankungen und ein paar der bisherig konsultierten Ärzte. Bei jedem aufgezählten Medikament, jeder Vorerkrankung wurde sie blasser. Ich konnte ihr quasi aus dem Gesicht ablesen, wie tief ihre Schockierung saß. Besonders, als sie mein Alter nachrechnete. Blutentnahme in 1 Woche und überlegen Sie sich bitte wie sie zu Gesprächstherapie stehen. Noch vor der Blutentnahme holt sie mich in ihr Sprechzimmer, legt mir eine Überweisung mit Name des Arztes und der Fachrichtung Psychiatrie auf den Tisch. Ich schlucke. In mir, Flashbacks. Wir sprechen noch kurz, ich bedanke mich. Innerlich, bin ich aufgewühlt. Ich würde am liebsten davon laufen, weit weit weg. Oder einen Flug nach Portugal buchen. Doch still gehe ich zur Blutentnahme. Nach dem 4. mal stechen - die ersten dreimal durch eine Assistenzärztin und die MFA kam sie selbst und nahm Blut ab. Die Stimmung, wieder besser, ausgelassen schon fast. Sie sah meine Narben, strich darüber. Noch nie, durfte jemand die Narben am Arm berühren und dies ohne, dass sich in mir alles zusammenzieht.

In mir kehrte Ruhe ein. Eine seltsame Ruhe und immer wieder die Überlegung, was mach ich hier, warum ist gerade alles so, wie es ist. Auch Erinnerungen zum Bezirkskrankenhaus, Situationen dort ploppen immer wieder in meinem Kopf auf, wie bunte Luftballons. Ich soll einen Krankheitslebenslauf schreiben. Um das Gespräch mit dem Psychiater einfacher zu gestalten. Gefühlt gleitet mir gerade alles aus der Hand. Ich darf lernen, zu vertrauen. Dem Leben, und ihr zu vertrauen. Darf sprechen - und wenn ich möchte, doch auch schweigen. Ich bin gespannt, wie sich alles weiter entwickelt. Und doch hab ich Angst. Angst davor jetzt Narben wieder aufzureissen, und dass ich dann mit den alten Wunden wieder alleine bin. 

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