Dienstag, 7. Oktober 2025

TW - BPD - "Was war Ihr bisher schlimmstes Erlebnis?"

 ..lese ich in einem Buch über Naturheilkunde. Ich glaube nicht, das meine Mama das Buch angesehen hat, bevor sie es mir geschenkt hatte. Es geht darum zurück zu sich selbst zu kommen.. 

Lange denke ich über diese eine Frage nach.. dazu: "Wer hat mich so sehr verletzt".. und in der Stille, kommen mir Bilder vor meine Augen. Bilder, welche ich Jahrelang nicht mehr gesehen habe, verdrängt habe - welche doch auch heute noch unendlich schmerzen. 

Ich, 6 oder 7 Jahre jung, lange blonde Haare. Liege in meinem Bett. Nach meinem Gefühl ist es 22:00h / 22:30h.. und ich kann nicht schlafen, mein Papa ist noch nicht zu Hause. Der, den ich doch immer vergöttert habe, obwohl er mich (25 Jahre später - wurde es mir bewusst) nur mehr als schlecht behandelt hatte. - Ich höre das die Haustüre aufgesperrt wird, Mama ist schon lange in ihrem Bett. Schläft. Meine Zimmertür ist angelehnt und leise höre ich das Ticken meines Weckers. Morgen ist Schule, ich freue mich. Höre unten in der Küche und im Wohnzimmer Geräusche. Geräusche von Essen, Schüsseln, klapperndem Besteck. Es ist kalt, in meinem Zimmer. Das Fenster ist gekippt und es ist Winter. Man schläft so besser, sagt Mama immer. Langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun. Die Geräusche werden lauter. Ich höre genau, das mein Vater betrunken ist. Wie immer, wenn er so spät nach Hause kommt. Wie immer, eigentlich jeden Tag. Langsam krieche ich aus meinem Bett, zitternd und mit einer kleinen Wolldecke in der Hand krieche ich von meinem Bett unter mein Bett. Und so liege ich da, warte gefühlt Stunde um Stunde. (In meinem Kinderkopf vergeht die Zeit ewig langsam). Irgendwann stapft er die Treppe nach oben und geht - nicht wie erhofft in sein Schlafzimmer, sondern in meines. Wirft sich in mein Bett. Über mir knackt und knarzt der Lattenrost. Ich bete, hoffe und flehe das dieser nicht über meinem Kopf zusammen bricht und 120 betrunkene Kilos mich erschlagen. Ich frage mich, ob er sich nicht die Frage stellt, wo ich bin. Innerhalb weniger Minuten, schläft er ein, wälzt sich immer wieder von links auf rechts. Ich habe pure Angst, mein Herz schlägt mir bis zum Hals und gefühlt noch viel weiter. Meine Hände spüren die Staubflusen unter meinem Bett. Mein Kuscheltier und meine dünne Decke in der Hand zittere ich. Wünsche mir, das es vorbei ist, das irgendjemand kommt und mich unter dem Bett hervorzieht und mir sagt "es ist vorbei". Doch niemand kommt. Wieder vergehen gefühlte Stunden. Der Lattenrost über mir knarzt immer bedrohlicher. Dabei war er doch schon in der Vergangenheit von meiner Mama mit Klebeband wieder geflickt worden, nachdem mein Vater sich in mein - damals komplett neues ! - Bett fallen lies.  Er schrie damals meine Mutter an, grundlos während sie es fixte. Irgendwann, stand er auf und ging ins Bad und anschließend in sein Bett. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich trauen sollte aufzustehen um mich wieder in mein Bett zu legen, ob er wieder kommen würde und - heute denke ich mir, was wollte er von mir - Nachts, in meinem Bett.


Bilder, schießen mir in meinen Kopf, ich im Bett liegend, klein, jung. 10 Jahre. Mein zarter Körper unter der Bettdecke, ich rutsche immer weiter zur Wand, stopfe Kuscheltiere unter die Decke, welche meinen Körper imitieren sollen - liege fast im Spalt zur Wand, atme ruhig und leise. Innerlich, schlägt mir das Herz zum Hals, wie schon so oft in meiner Vergangenheit habe ich Angst - Angst um mein Leben. Panik davor, das du irgendwann, aus reinem Hass auf alles und jeden, im Suff mit einem Messer - länger als mein kindlicher Unterarm ist - vor mir stehen würdest und auf mich einstichst, einstichst und mich tötest. Tötest weil ich wieder etwas nicht nach deinem Willen getan habe, zu laut geatmet habe, zu falsch geschaut habe. Die Noten in der Schule zu schlecht waren oder du irgendeinen anderen Grund dafür gefunden hättest. Ich lag im kalten. Die Wand, war kalt. Ich fror. Du kamst nie, doch ich - konnte auch nicht eher schlafen, ehe du in deinem Bett gelegen hast. Und dann.. wackelte auch noch dein Bett - euer Bett, heute weiß ich - das vieles von damals, auch von Seiten meiner Mutter, nie auf freiwilliger Basis passierte. Heute, muss ich damit leben. Mit den Erinnerungen, die nur ein einziger Satz, in mir auslöste.


Du hast mich angeschrien, gebrüllt. Meine Noten schlecht, meine Figur - zu dick. Wir haben dich eben aus dem Wirtshaus geholt, wieder einmal konntest du nicht mehr gehen, musstest gestützt und zum Auto getragen werden. Schon unter der Heimfahrt, hast du meine Mutter angeschrien, angebrüllt. Ihr ins Steuer gegriffen und das Auto in Richtung Brückengeländer gelenkt. Ich hatte, Todesangst. Ich war 14. Ich dachte, ich würde nun sterben. Wollte die Autotür aufreissen und aus dem noch fahrenden Wagen springen und davon laufen, doch innerlich hatte ich Angst du würdest Mama etwas antun. Und so, schwieg ich, ertrug ich - immer in der Hoffnung, dazwischen gehen zu können, falls du ihr etwas antun wollen würdest.


Schnitte, Blut, mein linker Unterarm. Kratzer, zu beginn. Wieder einmal angeschrien, vor der gesamten Verwandtschaft, an deinem Geburtstag. Zuvor in einer Zeitschrift, etwas über Selbstverletzung gelesen. Ich nahm die Nadel und kratzte den gesamten Unterarm entlang. Kratzte bis das Blut aus meinem Arm lief, verspürte so viel Druck, sah im Dunkeln aus meinem Zimmerfenster im 1. Stock hinab, doch konnte nicht springen. Meine Mutter, nicht alleine lassen. Ich konnte nicht. Stattdessen, lieber bestrafen und mich spüren, weiter kratzen und bald darauf.. schneiden. 15.


Stille, wochenlang. Du sprachst nicht mehr mit mir. Ich war 16, wollte lediglich einen Schluck Grapefruit Weizen probieren, hab die Flasche geöffnet, wollte nur den Geschmack kennenlernen. Den Rest, weggeschüttet. Du hast die Flasche in meinem Zimmer gefunden, versteckt. Die Frage, warum du in meinem Zimmer herumsuchst, war unwichtig. Denn ab diesem Zeitpunkt, hast du über vier Wochen mit mir geschwiegen. Es war stille. Du sprachst das allernötigste, ich konnte mich bemühen, wie ich wollte. Ich schnitt, kotzte, trieb exzessiv Sport. Sit Ups, von 21-22 Uhr. Täglich. Tiefpunkt.


Ich dissoziierte, schlug mich, schlug meinen Körper gegen Gegenstände, Wände. Schnitt tiefer denn je. Steckte Nadeln in meine Gelenke, wollte an der Blutvergiftung sterben. 

Googelte Kliniken und Suizidmöglichkeiten gleichzeitig. Ich wollte einfach, erlöst werden.


...mir fehlte es an nichts, denke ich heute. Außer, an Liebe, Schutz und Geborgenheit, was sich schon mein jüngeres Ich - zu tiefst gewünscht hätte. In den Arm genommen zu werden und gefragt werden, was denn los sei.

Heute, bin ich 31, lebe seit 12 Jahren in meiner eigenen Wohnung, habe einen Camper und habe einen Job. Gehe zum Sport, habe Freunde und einen Ausgleich. Ich liebe mein Leben, immer, wäre übertrieben gesagt, ich akzeptiere es - aber danke, das ich überleben durfte.


S. - Danke, für deine Klarheit und den Ärger den du mir verpasst, wenn ich's übertreibe..

S. - Danke, für Ihr Auge, das Sie immer wieder - meist auch unbemerkt, auf mich werfen.

M. - Danke, das du immer wieder auf mich schaust! Danke, das du mich noch länger "haben möchtest." mehr Wertschätzung, geht grad einfach nicht. 

Dienstag, 23. September 2025

Kurzschluss.

 Gesprochenes, kommt in meinem Kopf nicht mehr an. 

Die Umgebung, verschwimmt. Mein Gegenüber ist unwirklich, die Wörter die mein Kopf noch fähig ist zu bilden fühlen und hören sich in mir verwaschen an. Irgendwie, meilenweit von mir entfernt.

Immer weiter entferne ich mich von meinem Körper, mein Geist, mein inneres hängt gefühlt, irgendwo in der Luft. Massig weit weg von mir. meinem Inneren. 

Ich nehme nichts, lediglich meine AntiDepressiva. Ich stehe unter Strom, kann meine Gefühle und auch die Worte bis heute nicht wirklich wiedergeben. Was sich in mir bewegt, fühlt sich alles gedämpft an, wie in Zeitlupe. Wie - wenn ich einen Schlaganfall hätte, denke ich mir - so für mich.

Ich sitze hier, leer und doch irgendwie unruhig.

Dienstag, 8. Juli 2025

Diese Gefühle.

 Ich glaube, nein - ich hab das Gefühl ich muss mich sortieren. Mein Leben in eine gerade Bahn lenken, mich organisieren und ordnen. Das "Erwachsenen-Leben" holt mich wieder einmal ein. Pflichten, Termine, Abgabefristen, Verantwortung. Irgendwie erdrückt es mich. Wann soll man denn dazwischen noch Leben und was bedeutet es eigentlich, zu Leben?

Immer wieder stelle ich mir die Frage was ich denn vom Leben möchte, was ich erreichen will, welche Ziele ich noch habe. Doch eine konkrete Antwort, finde ich nicht. Irgendwie alles, mich weiterbilden - noch studieren, Ärztin werden. Und doch gleichzeitig eine Familie gründen, sesshaft werden und mein Leben leben. Oder mich doch komplett in Luft auflösen und den Wohnort und meine Identität ändern, mich komplett neu erfinden. 

Ich glaube, ich bin heute wieder verwirrt.. es war mein letzter Arbeitstag vor meinem Urlaub und meine Gefühle fahren Achterbahn. So Achterbahn, das ich nicht einmal - wie sonst - nach dem Dienst meine Bahnen im Freibad gezogen habe. Eine Bewohnerin wurde durch mich noch eingewiesen, ich weiß auch nicht. Mein Gefühl ist schlecht, doch nicht zu handeln, noch schlechter. Habe Einweisung und Transportschein ausgefüllt, den Transport bestellt und Angehörige angerufen. Immer mit dem Mitschwingenden Gedanken "Sehen wir uns wieder?" - Ich verabschiede mich von ihr, sie nimmt meine rechte Hand in ihre Kalte linke, zieht mich im Rollstuhl sitzend zu sich hinunter, und küsst mich auf meine rechte Wange. Sie weint, hat Schmerzen. Knochenschmerzen, doch viel mehr spüre ich den seelischen Schmerz der sie in diesem Augenblick vollständig einnimmt. Momente, in denen mir mein Herz stehen bleibt. Momente, in denen ich immer wieder weiß, warum ich diesen Beruf ausübe. Warum es meist doch so viel mehr, als ein Beruf ist. Wertschätzung von fremden Menschen, fremden alten Menschen zu erfahren, ist vom Gefühl das überwältigendste das ich bisher kennen lernen durfte. Die Ehre und entgegen gebrachte Wertschätzung zu erhalten, einen Menschen auf seinem letzten Weg begleiten zu dürfen und sich dessen bewusst zu werden übertrifft weitaus jedes Gefühl der Überforderung, des Stresses und dem Leistungsdruck welcher einem aufgedrückt wird.

Sie weint als sie auf die Trage des Rettungsdienstes gelegt wird, kleinschrittig und immer wieder zusammen sackend kann sie eingehakt beim Rettungsdienst und meiner Kollegin gehen. Mein Herz gehört hörte ihr. Nur ihr. Ich hoffe und bete, das wir uns wiedersehen.<3

Die Emotionen nehmen mich noch bei der Heimfahrt ein, überwältigen mich. Es war ein kleiner Abschied, von einem Ort der mich krank gemacht und doch auf besondere Art gleichzeitig heilt. Der vielen Menschen bereits Halt, Hoffnung und doch auch die Möglichkeit gegeben hat, "er / sie selbst zu sein". Akzeptiert und Unterstützt wurde. Fast 10 Jahre. Fast 10 Jahre an einem Ort, viele Emotionen, viele Erlebnisse und Momente die mich schier zur Verzweiflung gebracht haben,  vor Wut, vor Trauer.. aber auch vor Glück, Momente in denen mir mehr Wertschätzung, Dankbarkeit und Liebe entgegen gebracht wurde, wie bisher in meinem Leben. Ich lerne, zu lieben und zu leben. Und vom Gefühl her, heile ich. Nicht immer, doch immer öfter!

Für heute, sitze ich hier - auf meiner Couch, mit meinem Laptop und der offenen Balkontür. Es ist kalt draußen und dunkel, das Gefühl des Herbstes macht sich bei dem Wetter in mir breit, es ist Juli und doch bin ich noch lange nicht bereit dafür. Ich lasse zu und versuche zu fühlen. Egal was kommt, es kommt für mich.

Sonntag, 9. Februar 2025

Verwirrt, wie eh und je.

 Meine Leseliste ploppt vor meinen Augen auf, komisch. In der Vergangenheit konnte ich mich an eine Liste der gefolgten Blogs nichtmal erinnern. Ich sehe die Namen, die mich so sehr an meine eigene Vergangenheit und die Nächte auf Blogger erinnern. Ich sehe sie und zu manchen kommen mir Gesichter - ich denke nicht, das diese mit den Namen übereinstimmen - in den Sinn. Ob die Menschen, meist junge Frauen, wie ich damals 15 Jahre alt gewesen noch leben, ich weiß es nicht und trotzdem hoffe ich es, wünsche ich es mir für jede einzelne von ihnen, ein einfach schönes, sorgenfreies Leben.

Eigentlich, wollte ich doch nur ein paar meiner Gedanken in ein Word - Dokument tippen und nicht verwirrte Zeilen auf blogger schreiben. Aber ich denke, besser wird's nicht. Verrückter weise arbeite ich immer noch in der Altenpflege, habe gefühlt schon 10000x gekündigt und seit einiger Zeit macht es mir wieder Freude. Wie ganz am Anfang. Zumindest, an den meisten Tagen. Ich schätze die Verbindung zu den anderen Menschen, Menschen die auf meine Hilfe angewiesen sind und auf deren wundervolle Art ich angewiesen bin. Menschen die mir vertrauen, die ihre Angehörigen und als Ärzte ihre Patienten in meine Hände geben und mir sagen, "Danke, das sie noch da sind.". 9,5 Jahre. Lange, teils schmerzhafte, zerstörerische Jahre. Gefühlt wird die Situation schlimmer, nur noch Profit, Optimierung und Stellenabbau. Und trotzdem, trotz allem, sind wir noch da. Heute, und hoffentlich auch morgen.

irgendwie, nen Grund weiterzuleben, weiterzumachen gibt´s ja doch immer.

Sag doch, einfach nur verwirrt.

Montag, 19. August 2024

Alles auf Anfang.

Evtl. TW - Depression | Suizid.


Schon wieder sind es drei Monate die vergangen sind, seit ich die alten, noch verbleibenden Seiten meiner Leseliste durchforstet habe. Neue sind gefühlt ewig nicht hinzu gekommen. Traurig eigentlich, das immer - wenn ich am Tiefpunkt stehe / liege. Wie auch immer.  - Mir diese Seite in den Sinn kommt.

Ich schreibe noch immer, manchmal zumindest, auf Papier - in alte Notizbücher. Mal mit mehr oder auch weniger Sinn dahinter. Möchte eigentlich viel mit dem Camper raus fahren, in die Natur. Habe die Sehnsucht danach, weg einfach, doch habe im Moment viel zu viel Panik, meine Routinen - mein Umfeld, meine Wohnung zu verlassen. Immer wieder schwindelattacken, die durchdrehende Psyche. Der Wunsch nach Sicherheit, der immernoch unerfüllbar scheint. Nach über 10 Jahren Medikamentenfrei bin ich wieder an einer Einstellung dran, nichts krasses, meinte der Hausarzt. "Nur" ein bisschen gelöster, gedämpfter. Schwebender  - wie auf einer Wolke. Nehme es seit 6 Wochen, seit 4,5 merke ich nichts mehr von der Wolke, oder dem positiven am Anfang. Die Panikattacken werden mehr, ich weiß nicht, ob sich mehr löst, was im inneren verborgen war, oder es eine Nebenwirkung ist. Ich halte aus, immer und immer wieder. Den Alltag - wenn ich arbeiten muss, kann ich bewältigen. Routine und Disziplin. An freien Tagen, der Körper und die Psyche im freien Fall. - Seinen Körper auf über 3000meter im 22 Grad kalten Wasser, bei 18 Grad Aussentemperatur zu quälen, war nicht die beste Idee des Tages, bedankt sich mein Kreislauf. Der Kopf, findets ganz oke, immerhin gespürt - noch da zu sein.

Ich habe Angst, um mich und um mein Leben. Das ich es bald nicht mehr lebenswert finde, das ich ihm wieder ein Ende bereiten will, obwohl ich doch das eigentlich gar nicht will. Einfach, weil ich es nicht mehr aushalte, ich zu sein. Den Schmerz, den ich nicht definieren kann, der einfach nur da ist. Wieder bin ich nur beim aushalten. Apathisch, herumliegen und aushalten. 

Lebensfreude, bitte - komm endlich, endlich zurück. - Es gibt noch so viel schönes, was ich noch nicht erlebt und gesehen hab'. Finally, wieder richtig lieben. Einen Halbmarathon laufen, endlich wieder ich selbst sein. Bedingungslose Freundschaft erleben. Heilen.